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Lehrplan
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Über diesen Lehrplan
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Fachspezifischer Teil - E-Bass/Jazz-Kontrabass
 Lehrplan E-Bass/Jazz-Kontrabass zum Download
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Jazz/Pop/Rock (im Folgenden kurz JPR genannt) und seine verwandten Gattungen sind relativ junge Musikstile mit schnell fortschreitender Entwicklung in verschiedene Richtungen. Es gilt daher bei der Auswahl des Repertoires sowohl die entwicklungsgeschichtliche Relevanz als auch aktuelle Tendenzen zu berücksichtigen. Das Vermitteln eines möglichst weiten musikalischen Horizonts – eines breiten Angebots an Stilen und Spieltechniken historischer und zeitgemäßer Musik für EBass/ Jazz-Kontrabass – ist das zentrale Grundanliegen. Sowohl Literaturwünsche der SchülerInnen als auch Vorlieben und stilistische Schwerpunktsetzungen der LehrerInnen sollten Berücksichtigung finden.
Eine große Herausforderung für die LehrerInnen stellt die Beschäftigung mit dem Bereich der Jugendkultur dar:
Die wichtigsten Stile des E-Basses/Jazz-Kontrabasses sollten vermittelt werden:
Im Bereich JPR gilt: "Das Repertoire von Morgen wird Heute geschrieben."
Das Standard-Repertoire, welches primär durch Aufnahmen führender InterpretInnen und KomponistInnen dokumentiert und teilweise in Form von Leadsheets, Fakebooks, Songbooks etc. zugänglich ist, nimmt den zentralen Schwerpunkt bei der Literaturauswahl ein. Ziel des Unterrichts ist, ausgehend von Basslinien stilbildender BassistInnen mithilfe verschiedener Techniken und Stimmführungsregeln selbstständig Basslinien zu Stücken zu entwickeln, bzw. ausnotierte Basslinien stilsicher zu interpretieren. Die Bass-SchülerInnen sollen zu selbstständig agierenden musikalischen Persönlichkeiten mit hohen Teamqualitäten und klarem Rollenverständnis herangebildet werden.
Die kompositorischen Fähigkeiten der SchülerInnen – das Finden der „eigenen Stimme“ in der Musik – sollen forciert werden.
>>> Literaturdatenbank
2. Musizierformen
Der Bass ist primär ein Begleitinstrument, welches erst in der Rhythmusgruppe oder mit einem Duopartner in seiner fundamentalen und vielschichtigen Rolle erfahren werden kann. Daher sollte möglichst früh – nach einer technischen Grundausbildung – mit der praxisorientierten Ensemblearbeit begonnen werden. Bereits mit geringem technischem Können lassen sich einfache Begleitfunktionen erfüllen. Jazzkontrabassisten sollten schon früh lernen, in den unteren Lagen einen Blues und einfache Standards „in time“ zu begleiten, E-Bassisten einen Rock-Blues und einfache Rock- und Popsongs.
Die Improvisation ist in den unterschiedlichsten Spielformen ein zentrales Gestaltungselement.
Eine wichtige Rolle spielt das Musizieren mit Computer und elektronischen Devices (wie z.B. Groove Box, Loops) zur Entwicklung eigener Arrangementideen und die Begleitung auf einem Harmonieinstrument durch die LehrerInnen.
>>> Literaturdatenbank
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Abgesehen von allgemeinen musikalischen Voraussetzungen erfordert der E-Bass gewisse körperliche Voraussetzungen, die im Allgemeinen ab einem Alter von ca. 10 bis 13 Jahren gegeben sind. Das entspricht auch dem Einstiegsalter der meisten E-BassistInnen. Ein früherer Beginn ab ca. 7 Jahren ist mit einem entsprechenden Instrument möglich. (siehe auch Punkt 5)
Das empfohlene Einstiegsalter für Jazzkontrabass ist ca. 14 Jahre. Bei Vorbildung ist mit einem entsprechenden Instrument (Kinderkontrabass) auch ein früherer Beginn möglich. (siehe auch Punkt 5)
Die kognitiven, kreativen, motorischen und musikalischen Fähigkeiten der SchülerInnen sollten in einem Beratungsgespräch geklärt werden. Musikalische Vorkenntnisse sind erwünscht.
Bei der Auswahl des geeigneten Equipments berät die Lehrkraft.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
4. Ganzheitliche Pädagogik
Im Mittelpunkt stehen die SchülerInnen, die in ihrem Wachstum von der Lehrkraft begleitet werden. Diese bietet immer wieder Elemente aus verschiedenen Musikbereichen an und legt so einen breiten Grundstock, der den SchülerInnen ein Leben lang als schöpferische Quelle dienen kann.
Einen Song in verschiedenen Tonarten zu spielen und über seine Form zu improvisieren fördert das Denken in harmonischen Stufen. Das Experimentieren anhand von Songs mit verschiedenen Grooves und Tempi verbessert die rhythmische Wachsamkeit und Beweglichkeit.
Notensatz- und multifunktionale Musikprogramme können wesentlich zu Effizienz im modernen Unterricht beitragen und ermöglichen eine flexible, den SchülerInnen individuell angepasste Unterrichtsgestaltung und mehr Unabhängigkeit von im Handel angebotener Literatur.
Jede Schule sollte über eine gut sortierte Auswahl an Play along-CDs verfügen.
Ganzheitliche Pädagogik bedeutet im JRP-Bereich das Einbeziehen von nicht unmittelbar instrumentenbezogenen Elementen in den Unterricht wie:
Diese nicht auf die instrumentenspezifische Ebene reduzierten Elemente ermöglichen die individuelle Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen auf dem Weg zur Eigenständigkeit. Sie geben behutsam Hilfestellungen bei der Entwicklung eines ausgeprägten musikalischen Differenzierungsvermögens – vor allem auch in Bezug auf Modeströmungen und Fragen wie:
Die musikalischen Sprachen und „Codes“ der Popularmusik tradieren sich primär auditiv über Aufnahmen und Livekonzerte und erst in zweiter Linie durch Notation. Ein nachhaltiger, von gutem Stilverständnis getragener Lernerfolg am Instrument lässt sich daher nur in Verbindung mit aktivem Anhören, Analysieren, Imitieren und bestenfalls Transkribieren von Stücken stilbildender InstrumentalistInnen erzielen.
Eine positive Ergänzung bietet die Anleitung zur spontanen Erstellung eines einfachen Bassarrangements (z.B. kurzes Solo, Intro, Outro) ausgehend von einem Song oder einem Instrumentalstück.
Für BassistInnen gilt vor allem auch:
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 4.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.
>>> Literaturdatenbank
5. Körper und Instrument, Technik
E-Bass
Der Körpergröße angepasste Instrumente:
Technik:
Es sind neben der Notwendigkeit eines gut eingestellten und leicht zu spielenden Instruments vor allem das Ausbalancieren und die Armhaltung während des Spiels zu beachten. Die Länge des Tragegurtes soll so gewählt werden, dass der Bass immer in gleicher Höhe hängt, unabhängig davon, ob die SchülerInnen sitzen oder stehen.
Ob in der linken Hand von Beginn an die 4-Fingertechnik oder anfangs die 3- Fingertechnik verwendet werden soll, hängt von der Physiognomie der SchülerInnen ab. Wichtig ist jedoch, dass die Anschlagstärke in der rechten Hand so gewählt wird, dass ein „grooviges“ und definiertes Spiel gewährleistet ist, wobei auch die Klangunterschiede der einzelnen Spielpositionen vom Ende des Griffbretts bis zur Brücke zu beachten sind.
Jazz-Kontrabass
Aufgrund der hohen physiologischen Anforderungen, die der Jazz-Kontrabass als größtes Bassinstrument den Lernenden abverlangt (Aufbau von Kraft und Ausdauer, einwandfreie entspannte Körperhaltung und -kontrolle, Erlangen von Technik und Flexibilität, tragender Sound, ruhiges entspanntes Atmen bei jedem Tempo etc.), ergibt sich bei der Vermittlung der Lehrinhalte methodisch eine andere Situation als beim EBass.
Obwohl sich der Kontrabass im Jazz völlig eigenständig entwickelt hat und beispielsweise das klassische Pizzicato nichts mit der Anschlagstechnik der rechten Hand im Jazz zu tun hat, ist zum Erlernen des Instruments eine klassische Grundausbildung/Vorbildung von Vorteil, bzw. klassischer Kontrabassunterricht als Ergänzung zu empfehlen.
Die Technik der linken Hand stimmt im Grundansatz mit der klassischen überein. Bei der Wahl von Fingersätzen geht man im Jazz aber von anderen Prioritäten aus:
Die improvisierte, innerlich gehörte Phrase diktiert den Fingersatz. Angehende JazzbassistInnen lernen beim Üben, sich Strukturen zu erarbeiten, um beim Spielen „frei“ für ihre Ideen und die Musik zu werden.
Über die normale Begleitfunktion hinaus muss langfristig auf eine hohe technische Flexibilität und Wendigkeit hingearbeitet werden. Die Technik der rechten Hand (1- Finger Jazz-Pizzicato, 2- oder 3-Finger Wechselschlag) muss mit verschiedenen Übungen (von Leersaitenübungen über rhythmisierte Skalen/Akkord- und Phrasierungsübungen bis hin zu Themen, Basslinien, Solospiel etc.) gezielt trainiert werden. Die Saite sollte dabei locker angeschlagen werden, parallel zur Griffbrettfläche schwingen und nicht am Griffbrett anschlagen.
Über die Saitenhöhe muss man je nach Instrument, physischen Voraussetzung der SchülerInnen und Saitenart (Stahl- oder Darmsaite) eine Entscheidung treffen und nötigenfalls den Rat erfahrener GeigenbauerInnen einholen. Der Obersattel ist bei klassisch eingestellten Kontrabässen oft zu hoch, was zu unnötiger Ermüdung der linken Hand führt. Ebenso sollte man die Wölbung des Griffbretts reduzieren, bzw. anpassen.
Grundlegende pädagogische Ziele (wie saubere Intonation und Treffsicherheit, Kräftigung der linken Hand und Erlangen eines tragfähigen Tones, Vibrato, sicheres und kontrolliertes Lagenspiel, Sustainkontrolle, technische Beweglichkeit etc.) sind ohne Studium mit dem Bogen nur schwer zu erreichen. Bogenspiel ist eine wesentliche Vorbedingung für ein flexibles und ideenreiches Solospiel. Ungenügende bogentechnische Vorbildung bedeutet einen zeitlichen Mehraufwand zugunsten „klassischer“ Inhalte im Rahmen des Jazzbass-Unterrichts.
Was die Frage betrifft, ob man im Stehen oder Sitzen spielen sollte, hat sich in den letzten Jahren eindeutig ein Trend zum Spielen im Stehen abgezeichnet. Der Grund liegt in der Bewegungsfreiheit und im freien und geerdeten Körper- und Spielgefühl. Der Energie- und Bewegungsfluss wird im Stehen nicht durch ein abgenicktes Becken und abgewinkelte Knie unterbrochen. Dies kommt der Sensibilisierung des körperlichen Rhythmusempfindens zugute. Bei langen Übezeiten ist jedoch ein Hocker zu empfehlen.
Generell muss man auf einen geraden Rücken achten und auf die Nachteile und Folgen schlechter Haltung hinweisen. Ein zentrierter Stand mit gleichmäßiger, jedoch flexibler Schwerpunktverteilung ist essentiell. Der Gleichstand (mit individuellen Angleichungen) von Obersattel und Augenhöhe soll beachtet und das Herunterhängen des Ellbogens der linken Hand verhindert werden.
Der Übergang in Bruch- und Daumenlage birgt oft ein Risiko für Haltungsschäden. Wenn das Instrument zu weit vom Körper weggehalten wird, können Arm, Schulter und Rückenmuskulatur überbelastet werden. Auf die Stellung des Daumens beim Greifen in den Grundlagen sollte man vor allem bei AnfängerInnen genauestens achten. Die Daumenglieder dürfen auf keinen Fall durchgeknickt sein.
Die gleichmäßige Atmung ist für ein ruhiges fließendes Spiel immer wieder zu beobachten und gegebenenfalls mit geeigneten Übungen zu korrigieren.
Generell wird man von Anfang an bis zur Oberstufe auf die Vermittlung einer sozusagen „wertneutralen Basis-Technik“ setzen, welche die SchülerInnen im Laufe E-Bass/Jazz-Kotrabass 2007-06 Seite 7 von 17 des kreativen Lernprozesses an ihre individuellen Bedürfnisse angleichen und weiter ausbauen können.
Man sollte auch mit Pickup und Verstärker üben, um mit den technischen Möglichkeiten vertraut zu werden. Allerdings wird kein noch so teures und hochwertiges System einen schlecht gespielten Ton kaschieren können. Die primäre Tonproduktion beim Jazzkontrabass erfolgt akustisch.
Die Qualitäten einer sehr gut ausgebildeten linken Hand kombiniert mit koordinierter Anschlagsgenauigkeit der rechten Hand entscheiden über Projektionsfähigkeit und Durchsetzungskraft eines gespielten Tons: „The sound is in your hands.“
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 2.3.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 2.5.
>>> Literaturdatenbank
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
>>> siehe auch: Punkt 16
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.3.
>>> Literaturdatenbank
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf die Unterrichtsformen – diese sind weder grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklungen der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Prinzipiell stellt der Einzelunterricht am Instrument die effizienteste Unterrichtsform für die Vielfalt der zu vermittelnden instrumentaltechnischen Inhalte dar, wobei die SchülerInnen so bald wie möglich – schon ab der Elementar- und Unterstufe – in Ensembles eingebunden werden sollten, um ihnen eine Band- Erfahrung und die damit verbundene soziale Komponente des Musizierens zu vermitteln. Ensembles für AnfängerInnen können als Kleingruppenunterricht mit 2 bis 3 SchülerInnen stattfinden und sind immer Ansporn und Motivation für alle Beteiligten. Durch die starke interaktive Prägung der Weitergabe von musikalischen Inhalten im JPR-Bereich muss ein intensives Angebot an Ensembles, Bands und Big- Bands auf allen Ausbildungsniveaus angeboten werden. Als wesentliches Element der JPR-Entwicklung sei die Beeinflussung durch MitmusikerInnen im Bereich „instantcomposing“/ Improvisation bzw. das Erstellen von „head arrangements“ genannt.
In der Ensemblearbeit werden Qualitäten wie „Zuhören lernen“, „den Blick auf das musikalische Ganze richten“ und Kritikfähigkeit entwickelt.
Spezifika der einzelnen Unterrichtsformen:
Einzelunterricht:
Partnerunterricht:
Gruppenunterricht:
Dieser kann eine hilfreiche Bereicherungen darstellen und die SchülerInnen gegenseitig anspornen. Gewisse Themenfelder (Guideline-Übungen, Trading Eights/Fours, Thema am Bass mit Begleitung der anderen BassistInnen, klangspezifische Übungen, Experimente mit dem gesamten Klangkörper Kontrabass, über Groovepatterns jammen, verschiedene Rhythmen und Metren probieren etc.) können gut gemeinsam erarbeitet werden.
Ensemble (als Ergänzung zu den anderen Unterrichtsformen):
Workshops mit Inhalten, die in den anderen Unterrichtsformen nicht bzw. nur begrenzt vermittelbar sind:
Diese Workshops eignen sich auch für die schulübergreifende Zusammenarbeit und den Einsatz von GastdozentInnen.
Kombinierter Unterricht ist vor allem bei Improvisation oder Harmonielehre zielführend.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.
>>> Literaturdatenbank
8. Übeformen/Übepraxis
Es gilt, die SchülerInnen zu einem effizienten, spannenden und motivierenden Üben hinzuführen.
Das regelmäßige Üben sollte durch Zielvorgaben (schriftliche Aufgabenstellung), die im Unterricht durch individuell abgestimmte Übeformen und -sequenzen erläutert und erarbeitet werden, möglich sein. Das gemeinsame Erstellen eines individuellen Übeplanes stellt einen wesentlichen Unterrichtsinhalt dar. Zeitaufzeichnungen ("Übetagebuch") der SchülerInnen über ihre Übegewohnheiten werden empfohlen und dienen den LehrerInnen und SchülerInnen als wichtige Informationsquelle über das Überverhalten.
In der Übepraxis gelten als wichtige technische Hilfsmittel, um zu einem inneren Puls und zu einem inneren Erleben von musikalischen Formen und Perioden hinzuführen:
Über die Verwendung des Metronoms gibt es in der Fachwelt unterschiedliche Ansichten. Ziel sollte sein, die SchülerInnen zum Erfühlen des inneren Pulses hinzuführen. Nach und nach sollte dann das Metronom hinzugezogen werden. Auswendiglernen und Auswendigspiel (Songformen, Themen, Basslines, Soli, Etüden etc.) sind ein unverzichtbarer Weg zur Aneignung des musikalischen Vokabulars.
Vor allem technische Übungen wie Skalen und Arppegios, aber auch Grooves kann man teilweise auch in der Gruppe gut üben (Nachahmungseffekte, lernen von den „Besseren“ etc.).
Durch Imitation der Lehrkraft und wichtiger musikalischer Vorbilder, durch Vor- und Nachspiel, „call-response“, Transkription, Transposition sowie die Beschäftigung mit Texten (auch bei Instrumentalmusik) werden auf der nonverbalen Ebene zentrale, für die JPR-Musik wichtige Fähigkeiten der SchülerInnen ausgebildet. Mit Hilfe von mentalem Training können bestimmte Aufgabenstellungen ökonomischer bewältigt werden.
Eine besondere Problematik stellt das Üben mit der Band dar (Proberaumproblematik).
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 6.
>>> Literaturdatenbank
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Anteilnahme der Eltern am Lernprozess der SchülerInnen ist von großer Bedeutung. Eltern sollten in einem regelmäßigen persönlichen Kontakt zur Musikschule über deren Aktivitäten informiert werden. Bereits im Elternhaus kann durch das regelmäßige Hören von Musik aus dem JPR-Bereich ein wichtiges Fundament für angehende E-BassistInnen geschaffen werden. In den Hilfestellungen für die Eltern, die sich Zuhause mit ihren Kindern mit Musik beschäftigen können, steckt ein großes Potential, um den Unterricht effizienter zu gestalten.
Eltern sollten:
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 6.5.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 8.5.
>>> Literaturdatenbank
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
In der langfristigen Planung setzen sich die LehrerInnen mit den grundsätzlichen Lernzielen auseinander, die sich im Detail auf die Vereinbarung mit den SchülerInnen gründen. In der kurzfristigen Unterrichtsplanung wird die Lehrkraft auf aktuelle Bedürfnisse und Erfordernisse Rücksicht nehmen und situationsbezogen auf die SchülerInnen reagieren. Durch die Nachbereitung hat die Lehrkraft die Möglichkeit, den Entwicklungsverlauf zu verfolgen. Eine gute Dokumentation (auch mit Aufnahmen) wirkt sich positiv auf die weitere Planung des Unterrichts aus.
Vorbereitung:
Nachbereitung:
Es gibt eine Vielzahl von Schulen, Methoden und Etüdenheften mit unterschiedlichen musikalisch-technisch-inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Die meisten Lehrwerke spiegeln jedoch – abgesehen von neutralen Inhalten wie Arpeggios, Skalen, Patterns etc. – vor allem Persönlichkeit und Stil der jeweiligen VerfasserInnen wider. Die LehrerInnen müssen daher methodische Lücken in den bestehenden Lehrwerken füllen, Handouts erstellen und Übungen verfassen, die den musikalischen und technischen Fortschritt der SchülerInnen fördern.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 8.
>>> Literaturdatenbank
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Die SchülerInnen sollen durch ein stilistisch und historisch breit gefächertes Bildungsangebot mit der Musik des JPR umfassend vertraut gemacht werden. Oberstes Ziel ist die Erlangung von Eigenständigkeit in der Erarbeitung von ausgewählten Stücken und Programmen unterschiedlicher Stile. Dies setzt umfassende Kenntnisse der angewandten Musiktheorie in Verbindung mit einem persönlich ausgeprägten ästhetischen Sinn und die Fähigkeit zur stilistischen Differenzierung ebenso voraus wie die Aneignung der entsprechenden basstechnischen Fertigkeiten. Um diesem Anspruch in einem größtmöglichen Maß gerecht zu werden, sollte den SchülerInnen genügend Zeit in ihrer Ausbildung eingeräumt werden.
Beim Entwickeln von Fähigkeiten in der Improvisation in den unterschiedlichen Stilen des JPR bedient man sich einer gemeinsamen Sprache über das musikalische Material. Die Angewandte Theorie ist ein Anspruch an die Hauptfachlehrkräfte, die diese Inhalte in die instrumental-pädagogische Arbeit integrieren sollten. Im Ergänzungsfach JPRTheorie kann durch ein im Instrumentalunterricht herangebildetes Wissen effizienter gearbeitet werden. Zusammenhänge von Theorie und Musik können deutlicher aufgezeigt und erkannt werden.
Im Besonderen soll erreicht werden:
Die Lern- und Bildungsziele sind in den Bundesländern unterschiedlich definiert. Dies ist auch bedingt durch die unterschiedlichen Strukturen der Landesmusikschulwerke und wie JPR-Unterricht bis jetzt positioniert wurde. Auch in den Schülerstrukturen unterscheiden sich die Bundesländer teilweise sehr deutlich.
Elementarstufe
Beginnend – eventuell nach der Elementaren Musikpädagogik (MFE, MGA) – mit dem Hauptfachunterricht und einem ergänzendem Ensembleunterricht bis zum ca. 11. oder 12. Lebensjahr. Die Elementarstufe spielt aus den in Punkt 3 genannten Gründen eine untergeordnete Rolle.
Unterstufe
Eignung für Pop- und Rockbands
Mittelstufe
Es sollte ein Niveau erreicht werden können, welches den Aufnahmekriterien für Musikuniversitäten oder Konservatorien entspricht:
Oberstufe
Spezialisierung, fortgeschrittene Techniken
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 7.
>>> Literaturdatenbank
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Es gibt in den Bundesländern bereist bewährte Modelle zum Lernerfolgsnachweis, die sich an den landestypischen Strukturen orientieren. Zur Orientierung ist hier Modell angeführt.
Für alle Lernerfolgsnachweise gilt:
1. Übertrittsprüfung
2. Übertrittsprüfung
Abschlussprüfung
Siehe auch den Text JPR allgemein zur Theorie im Bereich Jazz/Pop/Rock.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 7.
>>> Literaturdatenbank
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit „jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Kinder sind auf der intellektuellen Ebene oft schwer erreichbar. Die Arbeit hin zur Erlangung einer Vorstellung von Musik ist im frühinstrumentalen Unterricht ein wichtiges Kriterium. Der Unterricht sollte inhaltlich breit, möglichst praxisorientiert – durch das Tun – und abwechslungsreich gestaltet werden. Die Vorzüge der Gruppenarbeit sind in der Arbeit mit Kindern verstärkt zu nutzen. Die Eltern sollten auf das Angebot an Kinderinstrumenten hingewiesen werden. In der Unterrichtspraxis sind körperliche Gegebenheiten der Kinder im Bezug auf Haltung und Technik zu beachten.
Jugendliche brauchen oft Orientierungshilfen für die Positionierung der Musik in ihrem Leben. Sie kommen oft mit einer stark von augenblicklichen, kurzlebigen Trends geprägten Vorstellung über Musik in die Musikschule und fühlen sich vom JPRAngebot angezogen. Unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Vorlieben sollten sie dort eine Betreuung vorfinden, mit derer Hilfe sie ihren musikalischen Horizont erweitern können.
Erwachsene haben meist eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was die Musikschule für sie leisten soll. In der Vermittlung der Musik kommt bei Erwachsenen die intellektuelle Ebene stärker zum Tragen. Ab einem gewissen Alter sind die motorisch-musikalischen Reflexe und Bewegungsabläufe meist langwieriger und E-Bass/Jazz-Kotrabass 2007-06 Seite 15 von 17 schwerer zu schulen. Mit viel Geduld und Fleiß können aber beachtliche Erfolge erzielt werden.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
In diesem Bereich sollten Lehrkräfte miteinbezogen werden, die bereits im Bereich der Musikpädagogik mit Menschen mit Behinderungen Erfahrung haben bzw. solche mit einer entsprechenden Ausbildung.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Eine Beratung durch die Lehrkraft beim Instrumentenkauf (Qualitätskriterien, Größe, und Preislage) ist wünschenswert.
E-Bass
Jazz-Kontrabass
Die Wahl der Saiten ist je nach Klangeigenschaften des Instruments, den physischen Voraussetzungen der SchülerInnen und nach der Frage, ob der Kontrabass auch klassisch (Arco) gespielt werden sollte, zu entscheiden. Darmsaiten sind für AnfängerInnen nicht unbedingt zu empfehlen (Halten der Stimmung, Flageoletts, Intonationsprobleme etc.).
Hinweise zur Pflege:
>>> Literaturdatenbank
16. Fachspezifische Besonderheiten
Beide Instrumente können aufgrund der korrelierenden Inhalte von derselben Lehrkraft unterrichtet werden. Problematisch ist allerdings, wenn GitarristInnen mit geringen E-Bass-Kenntnissen E-Bass unterrichten.
Bedingt durch die Improvisation ist die Positionierung der Angewandten Theorie eine Besonderheit. Die Musiktheorie des JPR steht für die improvisierenden MusikerInnen stets im Zentrum der Beschäftigung mit ihrem Instrument. Sie müssen theoretisch erklärtes Material praktisch auf ihrem Instrument umsetzen und mit Hilfe des Gestaltungswerkzeuges Theorie schlüssige Strukturen unmittelbar formen. Sie bedienen sich der musiktheoretischen Kenntnisse bei der Analyse des musikalischen Materials, welche eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Begabungen in der Improvisation ist.
Warum eine melodische, harmonische oder rhythmische Wendung besser klingt oder gefällt, unterliegt rein ästhetischen Kriterien. Man bedient sich jedoch bei ästhetischen Entscheidungen meist musiktheoretischer Begriffe. Die Theorie ist unabhängig vom Stil der gespielten Musik eine nicht wegdenkbare Gestaltungsvoraussetzung im JPR. Sie ist somit fixer Bestandteil der allgemeinen Sprache über die Musik. Der musikalische Prozessablauf in der Spielsituation ist ein permanentes Nehmen und Geben.
1. Hören – Ein aktives Aufnehmen von Information, die relative Tonhöhenerkennung sowie die Erfassung von Form, Rhythmen und Akkordqualitäten.
2. Reflexion – Dieser Schritt stützt sich bereits auf musiktheoretische Erfahrungen, die mit dem Gehörten in Verbindung bzw. Beziehung gesetzt werden.
3. Reaktion – Dieser dritte Schritt ist die aktive Gestaltung. Die MusikerInnen reagieren auf das Gehörte in Form einer musikalischen Aussage. Hier ist die Theorie ein unmittelbares Gestaltungswerkzeug für die Umsetzung von spontanen Ideen.
Musikalische Praxis
Auftrittsmöglichkeiten einer Klasse sollten gemeinsam mit den SchülerInnen erarbeitet werden. Audio- und Videomaterial kann zu Aufarbeitung der eigenen Probenarbeit und Konzerttätigkeit herangezogen werden. In Feedbackrunden können die SchülerInnen – im Beisein (unter Moderation) der Lehrkraft – einander Rückmeldungen geben.
Gemeinsame Konzertbesuche fördern die Kritikfähigkeit.
Auftrittscoaching
Die musikalische Kommunikation und Interaktion mit MitmusikerInnen und Publikum, Wachsamkeit, Bühnenpräsenz und positive Einstellung beim Auftritt und die psychologische Einstimmung auf das einmalige Erlebnis des Auftritts sollten geübt werden.
Technisches Umfeld, Studiotechnik
Der sichere Umgang mit dem Equipment auf der Bühne, im Studio und Zuhause sollte gelernt werden.
Kritikfähigkeit
Die (verbale) Kommunikation mit MitmusikerInnen ist für das gemeinsame musikalische Erarbeiten von Inhalten in Bands unumgänglich. Fragen wie: „Wie kann Kritik formuliert werden?“ bzw. „Wie kann Kritik verarbeitet werden?“ sind für das selbstständige Arbeiten in Ensembles von großer Wichtigkeit.
Körpersprache
Die Wirkung auf der Bühne (das Zeigen der Freude am Spielen, das Ausstrahlen innerer Offenheit, ein kreativer Umgang mit „Fehlern“ etc.) kann durch Videoaufnahmen und Feedbackgespräche erlernt und verbessert werden.
Musik- und Selbstmanagement
Die folgenden Fragen (Grundlagen des Musikmanagements) können auch im Unterricht beantwortet werden:
Verlockenden Werbestrategien, die großen Erfolg innerhalb kürzester Zeit versprechen, muss mit didaktischer Behutsamkeit gegenübergetreten werden.
>>> Literaturdatenbank
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