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Lehrplan
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Fachspezifischer Teil - E-Gitarre
 Lehrplan E-Gitarre zum Download
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Jazz/Pop/Rock (im Folgenden kurz JPR genannt) und seine verwandten Gattungen sind relativ junge Musikstile mit schnell fortschreitender Entwicklung in verschiedenste Richtungen. Es gilt daher bei der Auswahl des Repertoires die entwicklungsgeschichtliche Relevanz einerseits sowie aktuelle Tendenzen andererseits zu berücksichtigen. Das Vermitteln eines möglichst weiten musikalischen Horizonts – eines breiten Angebots an Stilen und Spieltechniken historischer und zeitgemäßer Musik der E-Gitarre – sollte zentrales Grundanliegen sein. Sowohl Literaturwünsche der SchülerInnen als auch Vorlieben und stilistische Schwerpunktsetzungen der LehrerInnen sollten nach Möglichkeit Berücksichtigung finden.
Eine große Herausforderung für die LehrerInnen stellt die Beschäftigung mit dem Bereich der Jugendkultur dar (flexible Repertoireauswahl mit Zeitbezug, Vermittlung von neuen Lehrinhalten eingebettet in vertraute Klänge, jugendliche SchülerInnen „dort abholen, wo sie gerade stehen“, Vermeiden starrer pädagogischer Haltungen).
Die wichtigsten Strömungen und Stile der E-Gitarre als eines der bedeutendsten, stilbildenden Instrumente der Popularmusik sollten vermittelt werden:
Im Bereich JPR gilt: „Das Repertoire von Morgen wird heute geschrieben.“
Da ein großer Teil der Literatur nicht in gedruckter Form vorliegt, ist die Transkription ein wesentlicher Bestandteil der Unterrichtsvorbereitung bzw. des Unterrichts.
Die kompositorischen Fähigkeiten der SchülerInnen – das Finden der „eigenen Stimme“ in der Musik – sollen gefördert werden.
>>> Literaturdatenbank
2. Musizierformen
Um eine bestmögliche musikalische Entwicklung zu ermöglichen, sollten die SchülerInnen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt der Instrumentalausbildung in eine Ensemblesituation eingebunden werden. Es gilt als eine spezielle Qualität im JPR, dass die Stücke mittels einfacher Arrangementtechniken an den Entwicklungsstand der SchülerInnen angepasst werden. Die Improvisation ist in den unterschiedlichsten Spielformen ein zentrales Gestaltungselement. Eine wichtige Rolle spielt das Musizieren mit Computer und elektronischen Devices wie z.B. Groove Box, Loops etc. zur Entwicklung eigener Arrangementideen.
>>> Literaturdatenbank
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Abgesehen von allgemeinen musikalischen Voraussetzungen erfordert die E-Gitarre gewisse körperliche Voraussetzungen, die im Allgemeinen ab einem Alter von ca. 10 bis 13 Jahren gegeben sind. Das entspricht auch dem Einstiegsalter der meisten E-GitarristInnen.
Ein früherer Beginn ist möglich, bei besonders jungen AnfängerInnen ist aber auf ein möglichst leichtes Kinderinstrument zu achten.
Grundkenntnisse auf der akustischen Gitarre werden von einem Teil der Lehrkräfte als Voraussetzung empfohlen.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
4. Ganzheitliche Pädagogik
Im Mittelpunkt stehen die SchülerInnen, die in ihrem Wachstum von der Lehrkraft begleitet werden. Diese bietet immer wieder Elemente aus verschiedenen Musikbereichen an und legt so einen breiten Grundstock, der ein Leben lang als schöpferische Quelle dienen kann.
Einen Song in verschiedenen Tonarten zu spielen und über seine Form zu improvisieren, fördert das Denken in harmonischen Stufen. Das Experimentieren anhand von Songs mit verschiedenen Grooves und Tempi verbessert die rhythmische Wachsamkeit und Beweglichkeit.
Notensatz- und multifunktionale Musikprogramme können wesentlich zu Effizienz und Flexibilität im modernen Unterricht beitragen und ermöglichen eine flexible, den SchülerInnen individuell angepasste Unterrichtsgestaltung und mehr Unabhängigkeit von im Handel angebotener Literatur.
Jede Schule sollte über eine gut sortierte Auswahl an Play along-CDs verfügen.
Ganzheitliche Pädagogik bedeutet im JRP-Bereich das Einbeziehen von nicht unmittelbar instrumentenbezogenen Elementen in den Unterricht wie:
Diese Elemente ermöglichen die individuelle Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen auf dem Weg zur Eigenständigkeit. Sie geben behutsam Hilfestellungen bei der Entwicklung eines ausgeprägten musikalischen Differenzierungsvermögens – vor allem auch in Bezug auf Modeströmungen und Fragen wie:
Die musikalischen Sprachen und „Codes“ der Popularmusik tradieren sich primär auditiv über Aufnahmen und Live-Konzerte und erst in zweiter Linie durch Notation. Ein nachhaltiger, von gutem Stilverständnis getragener Lernerfolg am Instrument lässt sich am Besten in Verbindung mit aktivem Anhören, Analysieren, Imitieren und Transkribieren stilbildender E-GitarristInnen erzielen.
Eine positive Ergänzung bietet die Anleitung zur spontanen Erstellung eines einfachen Gitarrenarrangements (z.B. 2 Rhythmus-Gitarren, kurzes Solo, Intro, Outro) ausgehend von einem Song oder einem Instrumentalstück.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 4.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.
>>> Literaturdatenbank
5. Körper und Instrument, Technik
Die technischen Anforderungen auf der E-Gitarre haben sich in den letzen Jahrzehnten rasant entwickelt. Techniken wie Two-Hand-Tapping, Legato-Spiel, Sweep-Technik, String-Skipping etc. sind zum Bestandteil einer spezifischen Ausbildung geworden, die sich weit von den Techniken der klassischen Gitarre entfernt und die E-Gitarre als eigenständiges Instrument etabliert haben.
Auch in Verbindung mit Verstärker- und Effekttechnik ist die E-Gitarre ein eigenes Instrument mit ganz anderen klanglichen und technischen Möglichkeiten als die akustische Gitarre. Eben diese technischen Aspekte verhindern manchmal die Wahrnehmung der E-Gitarre als „körperliches“ Instrument. Bei keinem Instrument wird vermutlich soviel über Spieltechnik und Technologie gesprochen wie bei der EGitarre.
Sofern nicht ohnehin eine intuitive Geschicklichkeit bei den SchülerInnen vorhanden ist, bietet die Lehrkraft Hilfestellung bei der Integration des Instruments in körpereigene Bewegungs- und Spielmuster (Bewegungspatterns).
Nach Möglichkeit sollten alle auf der E-Gitarre möglichen Spieltechniken vermittelt werden. In der Praxis erfolgt eine Eingrenzung des Feldes auf eine für die SchülerInnen bewältigbare stilistische Bandbreite. Es soll eine technische Basis (grundlegende und weiterführende Bewegungsabläufe) für alle Richtungen gelegt werden, welche eine individuelle musikalische Gestaltung ermöglicht.
Individuelle, instrumentengerechte Spieltechniken können gefördert werden. (Stichworte: Wes Montgomery, Jim Mullen – Daumentechnik, Hendrix – Daumen statt Barré, verschiedene Bautypen von Gitarren bedingen verschiedenartige Techniken.)
Die Lehrkraft berät die SchülerInnen bezüglich Instrumentenwahl und -kauf. Dabei ist besonders auf ein der Körpergröße angepasstes Instrument zu achten, das eine angemessene Haltung und Spieltechnik ermöglicht.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 2.3.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 2.5.
>>> Literaturdatenbank
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
  1. Die Vermittlung von musikhistorischen Inhalten ist aufgrund des reichhaltigen Angebotes an qualitativ hochwertigen Dokumentationen JPR-geschichtlicher Ereignisse (Referenzaufnahmen stilbildender MusikerInnen) sehr gut möglich. Dies bezieht sich auch auf die Spezifika der verschiedenen Stilistiken in unterschiedlichen kulturellen und regionalen Kontexten zu verschiedenen Zeiten.
  2. Musikkundliches Wissen
    Es wird ein begleitender Theorieunterricht empfohlen, der möglichst breit gefächert und praxisnah sein soll. Gleichzeitig sollte den SchülerInnen ein Einblick in das gesamte musikalische Universum jenseits aller stilistischen Grenzen eröffnet werden und sie ermuntert werden, musikalisch offen zu denken und möglichst viel unterschiedliche Musik zu hören. Ziel sollte die Bildung eines Bewusstseins für Ästhetik, Geschmacksbildung und Horizonterweiterung sein.
>>> siehe auch: Punkt 16
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.3.
>>> Literaturdatenbank
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf die Unterrichtsformen – diese sind weder grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Prinzipiell stellt der Einzelunterricht am Instrument die effizienteste Unterrichtsform für die Vielfalt der zu vermittelnden instrumentaltechnischen Inhalte dar, wobei die SchülerInnen so bald wie möglich – schon ab der Elementar- und Unterstufe – in Ensembles eingebunden werden sollten, um ihnen eine Band-Erfahrung und die damit verbundene soziale Komponente des Musizierens zu vermitteln. Ensembles für AnfängerInnen können als Kleingruppenunterricht mit 2 bis 3 SchülerInnen stattfinden und sind erfahrungsgemäß immer Ansporn und Motivation für alle Beteiligten.
Durch die starke interaktive Prägung der Weitergabe von musikalischen Inhalten im JPR-Bereich muss ein intensives Angebot an Ensembles, Bands und Big-Bands auf allen Ausbildungsniveaus angeboten werden. Ein wesentliches Element der JPREntwicklung ist die Beeinflussung durch MitmusikerInnen im Bereich „instantcomposing“/ Improvisation bzw. das Erstellen von „head arrangements“.
In der Ensemblearbeit werden Qualitäten wie „Zuhören lernen“, „den Blick auf das musikalische Ganze richten“ und Kritikfähigkeit entwickelt.
Spezifika der einzelnen Unterrichtsformen
Einzelunterricht:
Partnerunterricht:
Gruppenunterricht:
Ensemble (als Ergänzung zu den anderen Unterrichtsformen):
Workshops mit Inhalten, die in den anderen Unterrichtsformen nicht bzw. nur begrenzt vermittelbar sind und die sich auch für schulübergreifende Zusammenarbeit und den Einsatz von GastdozentInnen eignen:
Kombinierter Unterricht ist vor allem bei Improvisation oder Harmonielehre zielführend.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 5.
>>> Literaturdatenbank
8. Übeformen/Übepraxis
Es gilt, die SchülerInnen zu einem effizienten, spannenden und motivierenden Üben hinzuführen.
Das regelmäßige Üben sollte durch Zielvorgaben (schriftliche Aufgabenstellung), die im Unterricht durch individuell abgestimmte Übeformen und Übesequenzen erläutert und erarbeitet werden, möglich sein. Das gemeinsame Erstellen eines individuellen Übeplans stellt einen wesentlichen Unterrichtsinhalt dar. Zeitaufzeichnungen („Übetagebuch“) der SchülerInnen über ihre Übegewohnheiten werden empfohlen und dienen den LehrerInnen und SchülerInnen als wichtige Informationsquelle über das Übeverhalten.
In der Übepraxis sind folgende wichtige technische Hilfsmittel, die zu einem inneren Puls und zu einem inneren Erleben von musikalischen Formen und Perioden hinführen, zu nennen:
Die SchülerInnen erfahren wichtige Fähigkeiten der JPR-Musik durch folgende Techniken:
Das Auswendiglernen von Themen, Songformen, Etüden, Akkordprogressionen sowie Patterns sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Mit Hilfe von mentalem Training können bestimmte Aufgabenstellungen ökonomischer bewältigt werden.
Hilfreich kann ein gleichzeitiges Üben auf mehreren Ebenen sein:
Eine besondere Problematik stellt das Üben mit der Band dar (Proberaumproblematik).
Weitere Möglichkeiten bieten:
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 6.
>>> Literaturdatenbank
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Anteilnahme der Eltern am Lernprozess der SchülerInnen ist von großer Bedeutung. Eltern sollten in einem regelmäßigen persönlichen Kontakt über die Aktivitäten der Musikschule informiert werden. Bereits im Elternhaus kann durch das regelmäßige Hören von Musik aus dem JPR-Bereich ein wichtiges Fundament für angehende E-GitarristInnen geschaffen werden. In den Hilfestellungen für die Eltern, die sich Zuhause mit ihren Kindern mit Musik beschäftigen können, steckt ein großes Potential für eine effizientere Gestaltung des Unterrichts.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 6.5.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 8.5.
>>> Literaturdatenbank
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
In der langfristigen Planung setzen sich die LehrerInnen mit den grundsätzlichen Lernzielen auseinander, die sich im Detail auf die Vereinbarung mit den SchülerInnen gründen. In der kurzfristigen Unterrichtsplanung wird die Lehrkraft auf aktuelle Bedürfnisse und Erfordernisse Rücksicht nehmen und situationsbezogen auf die SchülerInnen reagieren. Durch die Nachbereitung hat die Lehrkraft die Möglichkeit, den Entwicklungsverlauf zu verfolgen. Eine gute Dokumentation wirkt sich positiv auf die weitere Planung des Unterrichts aus.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 8.
>>> Literaturdatenbank
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Die SchülerInnen sollen durch ein stilistisch und historisch breit gefächertes Bildungsangebot mit der Musik des JPR umfassend vertraut gemacht werden. Oberstes Ziel ist die Erlangung von Eigenständigkeit in der Erarbeitung von ausgewählten Stücken und Programmen unterschiedlicher Stile. Dies setzt umfassende Kenntnisse der Angewandten Theorie in Verbindung mit einem persönlich ausgeprägten ästhetischen Sinn und das Sensorium zur stilistischen Differenzierung ebenso voraus wie die Aneignung der entsprechenden gitarrentechnischen Fertigkeiten. Um diesem Anspruch in einem größtmöglichen Maß gerecht zu werden, sollte den SchülerInnen genügend Zeit in ihrer Ausbildung eingeräumt werden.
Beim Entwickeln von Fähigkeiten in der Improvisation in den unterschiedlichen Stilistiken des JPR-Bereichs bedient man sich einer gemeinsamen Sprache über das Material, mit dem gearbeitet und gestaltet wird. Die Angewandte Theorie ist ein Anspruch an die Hauptfachlehrkräfte, die diese Inhalte in die instrumentalpädagogische Arbeit integrieren sollten. Im Ergänzungsfach JPR-Theorie kann durch ein im Instrumentalunterricht herangebildetes Wissen effizienter gearbeitet werden, da Zusammenhänge von Theorie und Musik deutlicher aufgezeigt und erkannt werden können.
Im Besonderen soll erreicht werden:
Die Lern- und Bildungsziele sind in den Bundesländern unterschiedlich definiert. Dies ist auch bedingt durch die unterschiedlichen Strukturen der Landesmusikschulwerke und wie JPR-Unterricht bis jetzt positioniert wurde. Auch in den Schülerstrukturen unterscheiden sich die Bundesländer teilweise sehr deutlich. Die folgenden Bildungsziele für die Elementar-, Unter-, Mittel- und Oberstufe können als Orientierung dienen.
Elementarstufe
(bis zum ca. 12. Lebensjahr)
Beginnend – eventuell nach der Elementaren Musikpädagogik (MFE, MGA) – mit dem Hauptfachunterricht und einem ergänzendem Ensembleunterricht. Die Elementarstufe spielt aus den in Punkt 3 genannten Gründen eine untergeordnete Rolle.
Unterstufe
(vom ca. 12. bis 16. Lebensjahr)
Lernziel der Unterstufe ist neben dem Erwerb der entsprechenden instrumentalen Fertigkeiten die Vermittlung allgemeiner musiktheoretischer Kenntnisse sowie der Grundlagen des JPR. Die Beherrschung dieser Grundkenntnisse umfasst das Hören, Kenntnisse der Notation des vermittelten Materials und die praktische Anwendung der Inhalte.
Zielsetzung: Die SchülerInnen sollen nach Absolvierung der Unterstufe ein Verständnis für die musiktheoretischen Parameter eines Pop Songs mittlerer Komplexität haben und die musikspezifische Notation (Leadsheet) dieses Songs verstehen.
Mittelstufe
(vom ca. 16. bis 18. Lebensjahr)
In der Mittelstufe werden verstärkt jazzspezifische Themen behandelt.
Zielsetzung: Mit dem Abschluss der JPR-Theorie II sollten die SchülerInnen die musiktheoretischen Anforderungen, die bei der Aufnahmeprüfung zum Instrumentalund Gesangspädagogikstudium (IGP) gestellt werden, bewältigen können. Aufgrund der zu erwartenden höheren Motivation der SchülerInnen auf diesem Lernniveau und durch das konkrete Ziel einer weiterführenden Universitäts- oder Konservatoriumsausbildung wird die Aufteilung der Lehrinhalte auf nur zwei Jahre vorgeschlagen.
Oberstufe
(ab dem ca. 18. Lebensjahr)
Die Oberstufe beinhaltet musiktheoretische Sonderthemen für jene SchülerInnen, die kein Musikstudium anstreben, sich aber trotzdem über das Niveau der Mittelstufe hinaus (JPR-Theorie I und II) weiterbilden möchten.
Zielsetzung: Eine Projektarbeit in einem frei wählbaren Spezialgebiet (z.B. Afrokubanische Musik, Indische Musik, Jazzcombo, Bigband, Vokalensemble, Arrangement/Komposition etc.) Siehe den Text JPR allgemein zur Theorie im Bereich Jazz/Pop/Rock.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 7.
>>> Literaturdatenbank
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Es gibt in den Bundesländern bereist bewährte Modelle zum Lernerfolgsnachweis, die sich an den landestypischen Strukturen orientieren. Das hier angeführte Modell hat Beispielcharakter.
Für alle Lernerfolgsnachweise gilt:
Elementarprüfung
(von der Elementar- in die Unterstufe)
Diese spielt aus den oben genannten Gründen eine geringe Rolle.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
Konzert im Ensemble (nach Möglichkeit mit eigener Band)
Der Lernerfolgsnachweis auf diesem Lernniveau ist anhand eines Auftritts messbar. Die praktische Umsetzung erfordert das gesamte instrumentenspezifisch relevante theoretische Wissen der JPR-Theorie I.
Das schriftliche Abprüfen von Inhalten, die keinen unmittelbaren Bezug zum Musikausüben haben, widerspricht – auf diesem Lernniveau! – dem Grundsatz Angewandter Theorie. Deshalb ist eine schriftliche Prüfung im der Unterstufe nicht erforderlich. Voraussetzung für ein Übertrittsprüfungskonzert ist jedoch die kontinuierlich aufbauende Beschäftigung über den Zeitraum von 8 Semestern mit Angewandter Theorie im Hauptfach und in der JPR-Theorie I.
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 7.
>>> Literaturdatenbank
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit „jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Frühinstrumentaler Unterricht
Kinder sind auf der intellektuellen Ebene oft nicht gut erreichbar. Die Arbeit hin zu der Erlangung einer Vorstellung von Musik ist im frühinstrumentalen Unterricht ein wichtiges Kriterium. Der Unterricht sollte inhaltlich breit, möglichst praxisorientiert – durch das Tun – und abwechslungsreich gestaltet werden. Die Vorzüge der Gruppenarbeit sind in der Arbeit mit Kindern verstärkt zu nutzen. Die Eltern sollten auf das Angebot an Kinderinstrumenten hingewiesen werden. In der Unterrichtspraxis sind körperliche Gegebenheiten der Kinder im Bezug auf Haltung und Technik zu beachten.
Jugendliche brauchen mitunter Orientierungshilfen für die Positionierung der Musik in ihrem Leben. Sie kommen oft mit einer stark von augenblicklichen, kurzlebigen Trends geprägten Vorstellung über Musik in die Musikschule und fühlen sich vom JPR-Angebot angezogen. Unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Vorlieben sollten sie dort eine Betreuung vorfinden, mit deren Hilfe sie ihren musikalischen Horizont erweitern können.
Erwachsene haben meist eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was die Musikschule für sie leisten soll. In der Vermittlung der Musik kommt bei ihnen die intellektuelle Ebene verstärkt zum Tragen. Ab einem gewissen Alter sind die motorisch-musikalischen Reflexe und Bewegungsabläufe meist langwieriger und schwerer zu schulen. Mit viel Geduld und Fleiß können aber beachtliche Erfolge erzielt werden.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
In diesem Bereich sollten Lehrkräfte miteinbezogen werden, die bereits im Bereich der Musikpädagogik mit Menschen mit Behinderungen Erfahrung haben bzw. über eine entsprechende Ausbildung verfügen.
>>> siehe auch: Allgemeiner Teil 3.
>>> Literaturdatenbank
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
In den letzten Jahren ist das Niveau der Instrumente für SchülerInnen und EinsteigerInnen gestiegen. Die LehrerInnen helfen und beraten mit entsprechenden Tipps bei Kauf und Pflege.
>>> Literaturdatenbank
16. Fachspezifische Besonderheiten
Bedingt durch die Improvisation ist die Angewandte Theorie eine Besonderheit. Die Musiktheorie des JPR ist für die improvisierenden MusikerInnen stets im Zentrum der Beschäftigung mit ihrem Instrument. Sie müssen theoretisch erklärtes Material praktisch auf ihrem Instrument umsetzen und mit Hilfe des Gestaltungswerkzeuges Theorie schlüssige Strukturen unmittelbar formen. Sie bedienen sich der musiktheoretischen Kenntnisse bei der Analyse des musikalischen Materials, welche eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Begabungen in der Improvisation ist.
Warum eine melodische, harmonische oder rhythmische Wendung besser klingt oder gefällt, unterliegt ästhetischen Kriterien. Man bedient sich jedoch bei ästhetischen Entscheidungen meist musiktheoretischer Begriffe. Die Theorie ist unabhängig von der Stilistik der gespielten Musik eine nicht wegdenkbare Gestaltungsvoraussetzung im JPR. Sie ist somit fixer Bestandteil der allgemeinen Sprache über die Musik. Der musikalische Prozessablauf in der Spielsituation ist ein permanentes Nehmen und Geben.
1. Hören – Ein aktives Aufnehmen von Information, die relative Tonhöhenerkennung sowie die Erfassung von Form, Rhythmen und Akkordqualitäten.
2. Reflexion – Dieser Schritt stützt sich bereits auf musiktheoretische Erfahrungen, die mit dem Gehörten in Verbindung bzw. Beziehung gesetzt werden.
3. Reaktion – Dieser dritte Schritt ist die aktive Gestaltung. Die MusikerInnen reagieren auf das Gehörte in Form einer musikalischen Aussage. Hier ist die Theorie ein unmittelbares Gestaltungswerkzeug für die Umsetzung von spontanen Ideen.
Musikalische Praxis
Auftrittsmöglichkeiten sollten gemeinsam mit den SchülerInnen erarbeitet werden. Audio- und Videomaterial kann zu Aufarbeitung der eigenen Probenarbeit und Konzerttätigkeit herangezogen werden. In Feedbackrunden können die SchülerInnen – im Beisein (unter Moderation) der Lehrkraft – einander Rückmeldungen geben.
Gemeinsame Konzertbesuche fördern die Kritikfähigkeit.
Auftrittscoaching
Die musikalische Kommunikation und Interaktion mit MitmusikerInnen und Publikum, Wachsamkeit, Bühnenpräsenz und positive Einstellung beim Auftritt und die psychologische Einstimmung auf das einmalige Erlebnis des Auftritts sollten geübt werden.
Technisches Umfeld, Studiotechnik
Der sichere Umgang mit dem Equipment auf der Bühne, im Studio und Zuhause sollte gelernt werden.
Kritikfähigkeit
Die Kommunikation mit MitmusikerInnen ist für das gemeinsame musikalische Erarbeiten von Inhalten in Bands unumgänglich. Fragen wie: „Wie kann Kritik formuliert werden?“ oder „Wie kann Kritik verarbeitet werden?“ sind für das selbstständige Arbeiten in Ensembles von großer Wichtigkeit.
Körpersprache
Die Wirkung auf der Bühne (das Zeigen der Freude am Spielen, das Ausstrahlen innerer Offenheit, ein kreativer Umgang mit „Fehlern“ etc.) kann durch Videoaufnahmen und Feedbackgespräche erlernt und verbessert werden.
Musik- und Selbstmanagement
Die folgenden Fragen können auch im Unterricht beantwortet werden:
>>> Literaturdatenbank
 KOMU - Konferenz der österreichischen Musikschulwerke
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